Auszug aus meiner Antwort
Was du beschreibst, ist kein Zusammenbruch — und genau das macht es so schwer, es ernst zu nehmen. Alles läuft, und trotzdem hast du das Gefühl, daneben zu stehen. Viele, die mir Ähnliches schreiben, entschuldigen sich im ersten Satz dafür, dass es ihnen „eigentlich an nichts fehlt". Du musst dich hier nicht rechtfertigen. Dass du funktionierst, heißt nur, dass du funktionierst — nicht, dass es dir gut geht.
In deinen Zeilen stecken zwei Dinge, die du trennen darfst. Das eine ist die Leere: die Frage, ob das alles war. Das andere ist das Alleinsein damit: Du hast zwanzig Jahre lang gelernt, der zu sein, der trägt — und niemand hat dir je gezeigt, wo man so etwas ablegt. Alles allein zu tragen war nie deine einzige Möglichkeit, nur die einzige, die dir je gezeigt wurde. Die Leere lässt sich nicht wegschreiben. Aber sie wird kleiner, sobald sie nicht mehr nur in deinem Kopf existiert.
Dass du schreibst statt redest, ist dabei kein Behelf — es ist für viele Männer der ehrlichere Weg. Niemand sitzt dir gegenüber, niemand schaut dich an, du musst nichts „zugeben". Du bestimmst Tempo und Worte, und du kannst mitten im Satz aufhören und morgen weiterschreiben.
Bevor wir weitermachen, wäre mein Vorschlag: Schreib mir, wie ein ganz gewöhnlicher Abend bei dir aussieht — von dem Moment, in dem du nach Hause kommst, bis du ins Bett gehst. Nicht die Ausnahme, der Durchschnitt. Daraus lässt sich mehr lesen als aus der großen Frage, ob das alles war.
[ Hier bricht der Auszug ab … ]
— Stefan